Was sind eigentlich Faszien und warum ist die Arbeit daran für
die osteopathie so wichtig?

 

Unter Faszien versteht man das Binde-und Stützgewebe des Körpers. Sind sie verklebt oder verhärtet, kann dies zu den unterschiedlichsten Beschwerden führen: Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Bauchschmerzen bis hin zu undefinierbaren Schmerzen.

Über ihre Stützfunktion hinaus, sind die Faszien auch an der Abwehrfunktion des Körpers beteiligt. Einerseits bildet es eine starke Barriere, die Fremdkörpern das Eindringen erheblich erschwert. Andererseits befinden sich sogenannte Fresszellen im Fasziengewebe, die Eindringlinge und Gewebeteile auflösen können.

Warum verklebt das Fasziengewebe 

Ähnlich wie die Blutgefässe, führen auch die Lymphbahnen durch das Fasziengewebe. Mit der Lymphflüssigkeit werden Stoffwechselabfallstoffe sowie Schadstoffe von den Zellen weg transportiert.Der Lymphfluss wird  durch Muskelbewegung in Gang gehalten, daher ist das Lymphsystem auf eine ausreichende Aktivität der Muskeln angewiesen.

Bei einer länger anhaltenden Muskelverspannung, z. B. im Nacken-, Schulter- oder Rückenbereich, kann aufgrund der fehlenden Muskelbewegung der Lymphfluss dort merklich beeinträchtigt werden. Da die Lymphe u. a. auch den Blutgerinnungsfaktor Fibrinogen transportiert, kann es jetzt problematisch werden:

Das Fibrinogen, ein Blutgerinnungsfaktor, liegt in der Lymphe als gelöster Stoff vor, wird aber in Kombination mit bestimmten Substanzen zu unlöslichem Fibrin. Durch die Fibringerinnung verkleben dann die Faszien intensiv miteinander (Prof. Dr. med. Paulini, Universitäten Ulm und Mainz).

Ursache undefinierbarer Schmerzen: Verklebte Faszien

Die verklebten Faszien können nun zu unterschiedlichen Problemen führen:

Durch den Verlust ihrer Zugkraft und Flexibilität wird die Bewegungsfähigkeit der betroffenen Muskelfasern deutlich eingeschränkt. Außerdem können die Nerven, die durch diesen Gewebebereich führen, gequetscht werden, was zu Schmerzen führen kann.

Auf einem Röntgenbild sind diese Art der Schmerzen nicht auszumachen ist, so dass bei undefinierbaren Schmerzen immer auch an die Faszien zu denken ist.

Bei Rückenschmerzen soll es laut Faszienforscher Dr. Robert Schleip, Humanbiologe und Leiter des Fascia Research Project der Universität Ulm. gar so sein, dass nur in 20 Prozent der Fälle die Bandscheiben verantwortlich sind!

Die übrigen 80 Prozent haben andere Ursachen, darunter nicht selten verklebte Faszien.

warum das Fasziengewebe verhärtet

Ältere Menschen weisen im Vergleich zu jüngeren einen wesentlich niedrigeren Flüssigkeitsanteil im Körper auf. Unter diesem Flüssigkeitsverlust leidet natürlich auch das Fasziengewebe.  So bestehen die Faszien älterer Menschen häufig aus überwiegend festen, unflexiblen Kollagenfasern.

Die Fasern sehen dann wie ein verknotetes Wollknäuel aus. Sie wachsen ineinander, verfilzen und beginnen miteinander zu verkleben. Verhärtet sich das Fasziengewebe schliesslich, wird das Bewegen immer schmerzhafter.

Bewegungsmangel und Stress:Negativ für Faszien

Um stabil und geschmeidig zu bleiben sind die Faszien auf  Bewegung angewiesen. Ein Mangel an Bewegung führt dazu, dass sich das Fasziengewebe krankhaft verändert. Es verfilz, verklebt und verhärtet.

Ganz besonders Menschen, die einer ausschliesslich sitzenden Tätigkeit nachgehen, werden die Veränderung des Gewebes mit der Zeit in Form von Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen zu spüren bekommen.

Ebenso wie zuwenig Bewegung wirkt sich auch anhaltender Stress negativ auf die Spannung der Faszien aus, was Dr. Schleip in seinen Studien belegen konnte.

In Stresssituationen setzt der Körper Hormone frei, die ihm eine Anpassung an die veränderte Situation ermöglichen. Diese Hormone führen dazu, dass sich die Faszien anspannen, und zwar ohne muskuläre Beteiligung. Sobald der Stress vorüber ist, entspannen sich auch die Faszien wieder.

Bei permanentem Stress, bleiben auch die Faszien permanent angespannt!

Hinzu kommt, dass eine Veränderung des Fasziengewebes immer auch Auswirkungen auf die in diesem Gewebebereich verlaufenden Nervenenden hat. Sie können zusammengequetscht werden und daraufhin mit Schmerzen reagieren.

Dies zeigt, dass Schmerzen nicht nur durch Verletzungen des Gewebes hervorgerufen werden. In der heutigen Zeit ist anhaltender Stress, vor allem in beruflicher Hinsicht, schon beinahe zu einem normalen Zustand geworden, daher wundert es nicht, dass unzählige Menschen von chronische Gelenk-, Nacken-, Schulter oder Rückenschmerzen betroffen sind.

Schleudertrauma – Die Faszien leiden mit

Schon kleine Auffahrunfälle können beim Vordermann zu einem Schleudertrauma führen, übrigens auch ei scheinbar harmlosen Vergnügungen wie dem Autoscooter!

Kopf und Nacken werden stark nach hinten überdehnt, bevor beide ruckartig nach vorne geschleudert werden. Der Gurt führt dazu, dass sich der Rumpf beim Aufprall innerlich verdreht. Die rechte Schulter, die nicht vom Gurt gehalten wurde, wird erst nach vorne und dann nach unten gerissen. Durch die Wucht nach unten wird das Zwerchfell auf die Leber gedrückt, was eine Überdehnung oder Zerrung der Leber Aufhängung zur Folge haben kann.

Von der Leber aus erreicht der Aufprall  auch die Nieren. Da diese nicht wie andere Organe an starken Bändern befestigt sind, sondern nur durch die Nierenfaszien und das Nierenfett geschützt werden, wird die Niere nach unten gedrückt und verdreht sich dabei.

Im Extremfall ist das gesamte Fasziensystem und damit der gesamte Körper betroffen!

Die Schmerzen, die nach einem Autounfall am häufigsten eintreten, betreffen den Nacken und den Kopf. Aber es können auch einige Zeit nach dem Unfall weitere schmerzhafte Symptome auftreten, die durch den ganzen Körper wandern – und die oft niemand mehr mit dem "kleinen" Schleudertrauma in Verbindung bringt.

Ein weiteres Beispiel sind Frauen, die Jahre nach einem Kaiserschnitt eine Haltungsproblematik mit Kopfschmerzen entwickeln. Zunächst übt das unelastische Narbenwegwebe Zug auf die Umgebung aus. Über die faszialen Strukturen wird diese dann weiter nach oben gegeben, bis sie Kopfschmerzen und Migräne auslösen kann.


Mehr zum Thema Faszien können sie in den Videos der folgenden Links erfahren:

NDR: Osteopathie nach Typaldos

Quarks & Co: Die geheimnisvolle Faszien

 

Weiterführende Informationen zu Faszien finden Sie unter folgendem Link:
SWR: Die Erforschung der Faszien - Stoßdämpfer des Körpers